...nachtrag...

Diese Beziehung. Sie war krank. War so verseucht. Der Hass hatte sie von innen heraus zerfressen. Die Scheu vor dem Eingeständnis hatte die Lippen versiegelt. Die Fingerknöchel weiß vor Anspannung. Blut und Speichel vermischen sich auf den dunklen Holzbohlen zu einem Zeugnis der Hilflosigkeit. Zu viel – zu oft Schokolade gereicht aus den Händen der besten Freundin auf dem Beifahrersitz. Keine Musik im Auto, kein Licht. Der Parkplatz der Schule gleich gegenüber als Sitzungsraum der Selbsthilfegruppe.
Aber wie ein kranker Baum, der mit letzter Kraft noch Früchte treibt, deren kranke Samen sich im fruchtbaren Boden einnisten, so hat auch diese pervertierte Liebe ihren Spuren weit gestreut und wagt es noch heute immer wieder die Wut heraufzubeschwören. Jene Wut, welche so lang der Antrieb war, verwechselt mit Zusammenhalt. Grund für ein „Wir gegen den Rest der Welt“-Denken. Grund für ein „Wir haben schon so viel schlimmes durchgemacht doch unsere Liebe trägt uns weiter“-Denken.
Doch viel schlimmer als jene Brechreiz erzeugenden Momentaufnahmen, die immer wieder hinter dem Fenster zur Seele aufflackern – auf jener Seite, die kein Lid zum verschließen hat, dort, wo man nicht wegsehen kann – viel schlimmer ist, was sich davor abspielt. In weiter Ferne – Gott sei Dank – aber doch so nah, dass man das zerschundene Kindergesicht vor sich sieht, dass man die Fäkalien riechen kann, welche das Kind erst unter Anstrengung herausgepresst hat, um sie dann oben wieder einzufüllen, da Mutter das Füttern vergessen hat. Und dann, ja dann. Immer wieder. Dieser Name. Nicht zu löschen. Brennt ewig nach. Kommt immer wieder ans Tageslicht, bis letztlich die Großmutter am Telefon verwirrt scheint, weil nicht der Name der Enkeltochter erklingt, gefolgt von „…hatte versucht dich anzurufen.“, sondern der Name des Frau gewordenen Bösen.

Es grüßt Herr (un)scheinbar
26.8.12 00:24


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